Auf in den Süden - Stopp 3: Osorno

Veröffentlicht auf

Hallo ihr Lieben,

wieder ein mobiler Blogpost!

Zuerst: Ja, ich schiebe gerne Dinge vor mir her, aber mein Reisebericht über den Norden Chiles ist tatsächlich fast fertig und möchte dann noch mit Fotos versehen werden. Nach nur zweieinhalb Monaten. Bravo, mal wieder eine Glanzleistung, Lea.

(Reisebericht Teil 1 über San Pedro de Atacama gibt's hier,
Teil 2 über die Tour zum Salar de Uyuni, Bolivien hier.)

Abgesehen davon bin ich den Sommer langsam satt und gönne mir 3 Monate Regen bevor es in den deutschen Sommer geht. Richtig, mir bleiben nur noch 3,5 Monate Chile. Manchmal vergeht mir die Zeit nicht schnell genug und im nächsten Moment glatt ein bisschen zu schnell. Aber así es la vida. Wenn ich hier eins gelernt habe, dann ist es: Es kommt, wies kommt und wenns mal nicht so läuft, ist das kein Grund zur Panik. Bleib cool, relájate y disfruta de la vida - entspann dich und genieß das Leben. Die Mentalität ist schon etwas besonderes: "Oh, ich war vor einer Stunde verabredet, vielleicht sollte ich mal besser anrufen" - Das sind die einigermaßen Pünktlichen. Wenn jemand später oder gar nicht kommt, ist es eben so. Natürlich sind nie alle Menschen so, aber in der Freizeit sind Zeitangaben für die meisten eher grobe Richtwerte.

Und überall sind die Menschen sehr offen! Schnell wird man in eine Unterhaltung verwickelt und man wirft mit Komplimenten um sich. Nicht nur der Straßenhändler, der auch zu meiner Gastmutter "Princesa" oder "Ma preciosa" - "Meine kostbare/meine bildhübsche" sagt, sondern gerade auch in Familien hört man ständig "qué liiiindo", "qué hermoso", "qué bonito", "qué precioso" und so weiter! Wobei alles "wie schön", "wie hübsch", "wie bildhübsch" und so weiter bedeutet. Das ganze geht natürlich auch für weibliche Personen, dann mit "a" statt "o". "Ma preciosa", "Ma reina", ect. Gib mir mal die Butter, meine Königin. Das hat irgendwie auch seinen Charm.

Typisch chilenisch ist dann noch die Verniedlichungsform. Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal geschrieben habe. Aber es wird gnadenlos verniedlicht, wie man es in Deutschland nicht einmal aus Märchen kennt. Aus "El plato" wird "El platito", das Tellerchen. Aus "La cama" wird "La camita", das Bettchen. So geht das meist den lieben langen Tag. Aber mich stört es nicht. Auf deutsch hört es sich albern an, hier ist es normal. Bei manchen Wörtern muss ich aber wirklich den Kopf schütteln. Und zwar bei denen, die nicht auf -o oder -a enden. "Un pan" (ein Brot) wird "Un pansito" und etliche andere Wörter leiden gleichermaßen. Aber das ist chilenisch.

Dafür komme ich bei Konversationen mittlerweile fast immer mit (außer es driftet ab zu speziellem Vokabular). Teile fehlen mir trotzdem meistens, denn sie haben ein dermaßen hohes Tempo und einen Hang zum Halbe-Wörter-Verschlucken, dass ich manche Sätze erst überdenken muss, um sie zu verstehen. In der Zeit werden 2-3 neue gesagt und schon bin ich raus.

Ansonsten war Februar einfach Urlaub für mich! Das Haus der Familie ist wunderschön und der Garten sehr groß. Was etwas schade war, war, dass die Kinder keine richtige Motivation hatten, Deutsch zu lernen. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und fast immer Deutsch mit ihnen gesprochen. Meistens wurde ich dann gekonnt überhört. Wenn wir Spiele zusammen gespielt haben, haben wir immer auch deutsch geübt, aber so große Fortschritte wie die Kleine der letzten Familie haben sie nicht gemacht. Allerdings wollte diese es auch wirklich lernen. Ihre Schwester ist nun im Muttersprachlerkurs der Deutschen Schule, echt eine Leistung. Um dort hin zu kommen, hat ihre Mutter auch Zuhause mit ihr deutsch gesprochen und die kleinere hat sich immer beschwert, dass sie fast nichts verstand, wenn auf deutsch gesprochen wurde. Also wollte sie lernen und hat sich immer Mühe gegeben, immer wieder versucht, auf Deutsch zu reden, zu spielen, alles. Und sie hat in den dreieinhalb Monaten eine Menge gelernt! Diese Motivation hat den Kindern in der letzten Familie etwas gefehlt, sie haben selten versucht, mir auf Deutsch zu antworten, wenn sie mir denn überhaupt zugehört haben.

Trotzdem hatte ich eine super Zeit dort, alle sind unglaublich nett!
Auch die behinderte Tochter ist sehr süß und sie freut sich, wenn man versteht was sie möchte und sich mit ihr beschäftigt. Sie kann nur ihren Kopf ein bisschen koordinieren, ihre Augen bewegen, lachen und schlucken. Alles andere passiert unkoordiniert. Ihre Schwestern sind auch sehr lieb zur ihr, spielen mit ihr, sind ab und zu bei ihr, wenn sie gefüttert wird (das dauert mittags und abends fast eine Stunde) ihr Papa fährt mit ihr ferngesteuertes Boot auf dem Pool, ihre Oma malt Bilder mit ihr, indem sie ihre Hand führt, ihr werden die Haare geflochten und so weiter!

Ich werde sie schon alle ein bisschen vermissen, sie sind ein bunter Haufen, aber alle sehr sympathisch! Auf der anderen Seite, freue ich mich, morgen früh im grünen Osorno anzukommen und bald das erste Mal seit Monaten wieder Regen zu sehen. Verrückt, aber wahr: Ich freue mich auf richtiges Pieselwetter. Ich freue mich auf Berge und grüne Wiesen und Wälder! Auf klare Luft und Landschaft statt Smog und Großstadt (obwohl Santo Domingo auch sehr klein und ruhig ist). Wenn in Deutschland Frühlingsanfang ist, ist hier nämlich Herbstanfang - 21.März. Außerdem werde ich mir den deutschen Kindergarten mal ansehen und kann vielleicht dort helfen! Auch freue ich mich, wieder neue Leute, eine neue Gastfamilie kennenzulernen.

Außerdem schwärmt jeder, den ich bisher gefragt oder dem ich von meinen Reiseplänen erzähl habe, von Süden. Es gibt dort noch viel unberührte Natur, etwas, was man in Deutschland so gut wie gar nicht mehr findet. Also ich bin gespannt auf schöne Landschaft, gutes Essen und schlechtes Wetter! Etwas Zeit zum Reisen habe ich auch, wahrscheinlich fahre ich zum Lago Llanquihue, nach Puerto Varas und Umgebung und auf die Insel Chiloé. Aber Details später, das sind ja erstmal nur Namen. Jetzt tue ich erstmal mein Bestes um im Bus meine Augen zuzumachen um morgen nicht total tot zu sein und melde mich demnächst wieder!

Liebe Grüße, Lea

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post